Angedacht

 

„Das Schiff, das sich Gemeinde nennt ....

fährt durch das Meer der Zeit. Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heißt Gottes Ewigkeit."

Viele kennen dieses Lied vom Schiff, - es wurde gerne und viel gesungen - wie das Schiff durch die Stürme der Zeit fährt und Angst, Not und Gefah­ren trotzt - weil Jesus mit dabei ist und dieses oft schwankende Schiff der Kirche sicher in den Hafen der Ewigkeit bringt.

Wir sind also in allen Stürmen des Lebens mit unserm Herrn im selben Boot - auf diesem Schiff der Kirche unterwegs - ein uraltes und schönes Bild für die Kirche.

Eine Kreuzfahrt mit der AIDA ist si­cherlich viel gemütlicher als eine Le­bensreise auf diesem Kirchenschiff - aber für Urlaubsträume und Entspan­nung ist es ja auch nicht gebaut, son­dern als Rettungsschiff - denn eines Tages wird diese uns bekannte Welt komplett untergehen.

Oftmals wird dieses Kirchenschiff deshalb auch mit Noahs Arche vergli­chen, die auch nicht sonderlich kom­fortabel war, aber allen Menschen und Tieren in ihr das Überleben für die neue Welt Gottes sicherte. Nicht um­sonst heißt der Teil der Kirche, in dem die Kirchenbänke stehen, auch „Kirchen-schiff' - die Aussage ist klar: Wenn du hier in der Kirche auf der Bank sitzt, dann bist du sicher und geborgen wie einst Noah in seiner Arche - du wirst gerettet werden mit­ten in dieser untergehenden Welt und am Ende das Leben in der neuen Welt haben. Schau nur nach oben, dann kannst du oft noch in vielen Kirchen­decken den umgekehrten Schiffs­rumpf erkennen.

Jesus bietet keine Kreuzfahrten und auch keine Luxuskabinen an, sondern das Wagnis des Lebens es könnte durchaus anstrengend werden auf der großen Überfahrt in die himmlische Welt hinein.

Viele Kirchenschiffe bleiben heute leer - und die Leute fragen sich:

Wozu brauchen wir dieses Schiff überhaupt noch, will keiner mehr mit­fahren, sprich, dem Kapitän zuhören! 

Die einst so große Ehrfurcht vor den geweihten Gotteshäusern nimmt in dem Maße ab wie sie nicht mehr ge­braucht und zur Last werden- am Ende werden sie verkauft Sakral­transformation, so heißt das heute, wenn Kirchen umfunktioniert werden zu Kletterhallen, Tankstellen, Restau­rants oder Büros. Nur die Hülle mit dem Turm erinnert noch daran, dass hier früher einmal gebetet wurde.

Und ja so ein Schiff kann auch ins Straucheln kommen, wenn nicht mehr klar ist, wer der Kapitän ist. Wenn Jesus nur der nette Stuart ist, der die Leute nett bedient und unterhält, aber andere Ideen und Weltverbesserungen längst das Steuerrad übernommen haben, dann muss sich niemand wundern, wenn plötzlich der Kurs nicht mehr klar ist und keiner mehr weiß, wohin dieses Schiff tatsächlich unterwegs ist.

Seit 1963 wird dieses Lied von Mar­tin Gotthard Schneider in den Kirchen gesungen und seit 2000 Jahren ist das Schiff der Kirche nun schon unter­wegs und hat seither viele Stürme erlebt. Wie oft wurde die Kirche schon totgesagt, aber - o Wunder  - es gibt sie noch heute. 

Ich bin der festen Überzeugung, wenn der Herr nicht tatsächlich bis zum heutigen Tag mit in diesem Kirchen­schiff dabei wäre, dann würde das Schiff, das sich Gemeinde nennt, längst das Schicksal der Titanic ge­teilt haben. Und ja, das Schiff der Kirche ist schon längst kein „Luxus­dampfer" mehr mit „All-inclusive­Rundum-Versorgung". Die Lücken in der kirchlichen Arbeit werden in Zu­kunft größer werden. So manche Pfarrstelle ist schon heute nicht mehr besetzbar. Gottesdienste werden gestrichen und Pfarrhäuser stehen zum Verkauf. So wird das Schiff der Gemeinde in Zukunft kleiner werden. 

Im Grunde ist es genauso, wie es bei Noah war: Ich muss mich schon entscheiden, ob ich in dieses Kirchenschiff einsteigen und dazuge­hören will, ob ich Gott und dieses Schiff überhaupt brauche oder ob ich das Ziel meiner Lebenszeit mit einem der vielen anderen Schiffe erreichen will, die toll aussehen und eine ange­nehme Lebensreise versprechen?

Das Schiff der Kirche Jesu Christi es wird sein Ziel erreichen, das ist sicher. Die Frage ist nur, ob ich dann am Ende mit „an Bord" bin, wenn dieses Schiff in den himmlischen Ha­fen einläuft?

Siegfried Freye

Pastor Siegfried Freye

Kirchengemeinde Elm