Aus der Region

Gott befohlen!

So lautet ein Abschiedsgruß, den man heutzutage manchmal noch von Pastoren hört. Etwas fremd mutet er an, und das Wort „befehlen" wird auf merkwürdige Weise verwendet.

„Befehlen" stammt doch eigentlich aus der Militärsprache. Der Vorge­setzte befiehlt, und der Untergebene hat zu gehorchen. Fragen und lange Diskussionen gibt es nicht, denn im Ernstfall muss das Militär funktionieren. Im besten Falle gehorcht der Untergebene, weil er Ver­trauen in den Vorgesetzten hat; im Normalfall, weil es so sein muss; im schlechten Falle aus Angst vor Strafe.

Vertrauen in den „Befehlshaber" spielt auch im religiösen Bereich eine Rolle. Der Hauptmann von Kapernaum bittet Jesus für seinen kranken Knecht. Jesus will den Kranken aufsuchen, doch der Hauptmann sagt: „Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst... sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund." Und er begründet seine Bitte damit, dass seine Kriegsknechte ja auch die Befehle ausführen, die er ihnen gibt. Jesus aber verwunderte sich: „Solchen Glauben habe ich bei keinem in Israel gefunden." (Lukas 7,2).

In der Bibel werden die Weisungen Gottes auch Befehle genannt. Gott ist die letzte Autorität und kann befehlen. Der Glaubende vertraut da­rauf, dass diese Befehle richtig sind. Das unterscheidet diese Befehle auch von menschlichen, die Missbrauch sein können („Führer befiehl, wir folgen dir").

Aber das Wort „befehlen" hat auch noch eine andere Bedeutung, die offenbar zu Luthers Zeiten gängiger war als heute. Heute gehört sie fast nur noch in den kirchlichen Sprachgebrauch. Danach bedeutet „befehlen" auch, jemandem etwas anvertrauen, etwas in Verwahrung oder Besorgung geben. In diesem Sinne finden wir das Wort in der Luther-Bibel häufiger, auch wenn es heute nicht mehr verwendet wird. In der besonderen Bedeutung von "Gott etwas anvertrauen" begegnen wir dem Wort jedoch noch. Wenn wir Gott etwas anbefehlen, vertrau­en wir ihm unsere Sache an, geben wir ihm unser Päckchen Sorgen in Verwahrung oder zur Erledigung. Und es ist sicher ein ganz beson­ders schöner und gut gemeinter Abschiedsgruß, wenn der Weg oder die Zukunft eines Menschen „Gott befohlen" wird. Ich fasse zusammen: „Gott befohlen" - gilt seit dem 18. Jahrhundert als veraltet und ist daher leider heute kaum noch in Gebrauch. Dabei handelt es sich ja um einen wunderbaren Wunsch: „Ich befehle Dich dem Schutz und Segen Gottes an." oder „Geh mit Gott - Dein / Ihr Weg sei Gottes Schutz anbefohlen" Eigentlich schade, dass wir das nicht öfter tun und aussprechen.

Ihre Marlies Wilkens-Tomczak,

Kirchenvorsteherin in Hesedorf

Paßfoto G.Heibutzki Juli2014
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